• Esther Murbach

All You Need Is Love

01.06.2016


(Deutsch) Dichter und Romantiker haben schon immer "die Liebe" besungen. Leidenschaft und Ekstase, das höchste der Gefühle! Ethiker und Priester betonten eher die sublimierten Aspekte der erhabenen Regung - Selbstlosigkeit, Aufopferung, Loyalität, Freundschaft. Alles gottgegeben, wie immer dieser Gott auch heissen mag. Dann kamen das 20. und 21. Jahrhundert und damit die Neurowissenschaften. Mit den sogenannten bildgebenen Verfahren blicken die Neurologen nun in menschliche Hirne und und machen alles klar: Liebe ist eine neurologische Reaktion, ausgelöst durch Reize wie Pheromone und Hormonschübe. Endorphin, Dopamin, Serotonin, Oxytocin und andere Substanzen mit klangvollen Namen, vom Körper selbst produziert oder notfalls künstlich zugeführt. Sogar die Konsumation von Bananen und Schokolade soll glücklich machen. Ebenso optische Komponenten, selbst wenn es sich manchmal nur um den Anblick kosmetisch und chirurgisch optimierter Körperteile handelt. Der Mensch/die Menschin kann heute an Elektroden angeschlossen werden, diese wiederum an den Computer, und schon leuchtet am Bildschirm das Belohnungszentrum im Gehirn auf. Genaugenommen heisst diese Hirnregion mesolimbisches System und es ist ihr egal, ob der Flash von einer amourösen Regung, einer Droge oder einem Anfall von illusionärem Wahnsinn stammt. Sie leuchtet, basta! Daraus die Erkenntnis: Liebe ist gleichbedeutend mit Wahnsinn und Drogenrausch. Wie kommt es dann, dass aus dem Flash im Belohnungszentrum manchmal nachhaltige Beziehungen entstehen? Nicht immer nur lohnende, sondern auch schwierige mit langen Durststrecken? Aufopferung und Selbstlosigkeit werden tatsächlich auch heute noch praktiziert. Sicher gibt es weitere Wissenschaftler, z.B. Verhaltensforscher, die dafür einleuchtende darwinistische Erklärungen liefern. Aber wisst ihr was? Ist mir schnurz. Ich glaube lieber an ein mythisch-wohliges Gefühl, das auch einen höheren, einen spirituellen Sinn hat. Und gönne meinem Belohnungszentrum ein grosses Stück Schokolade.


(English) Poets and romantics have always praised "Love". Passion and ecstasy, the most sublime of all feelings! Ethicists and priests used to stress the more sublimated aspects of the sublime emotion - altruism, sacrifice, loyalty, friendship. All God-given, whatever name this God may bear. Along came the 20th and 21st centuries and neurosciences with the so-called imaging technologies. Neurologists peeping into human brains where they claim to find all the answers: love is a neurologic reaction, triggered by stimuli like pheromones and hormonal boosts. By endorphin, dopamine, serotonin, oxytocin and other substances with fancy names, self-produced by the human body or administered to it. Even the consumption of bananas or chocolate is supposed to create happiness. As well as visual stimuli, even when they only stem from cosmetically or surgically enhanced body parts. Nowadays man and woman can be connected to electrodes, these to a computer which produces a glowing picture of the brain's reward centre on the screen. This region of the brain is also called the mesolimbic system, and it does not care if the flash comes from an amorous impulse, a drug or a fit of delusional madness. It glows, period! Therefore the deduction: love equals madness and a drug-induced flash. So, how come that the flashes in the reward centre can lead to permanent relationships? Which are sometimes not rewarding but more of a long haul? Actually, altruism and sacrifice are still in practice, even nowadays. I'm sure, other scientists, e.g. behaviourists, can come up with plausible darwinistic explanations. Know what? I don't give a damn. I'd rather believe in a feeling of mythical well-being with a higher, a spiritual purpose. And my reward centre I will reward with a big piece of chocolate.

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