• Esther Murbach

Galaktische Panne


Corona und kein Ende - vielleicht war ja alles ganz anders. Ich habe folgende Theorie:


Im Labor für planetare Forschung und Entwicklung der Milchstrasse 37 lief etwas schief. Der neue Laborleiter, ein frisch promovierter Erzengel namens Mischa, brachte offenbar noch nicht die nötige praktische Erfahrung mit. Sein Versuch, einen stabilen Planeten zu entwickeln, bevölkert von komplexen Organismen, die einen nachhaltigen Unterhalt ihres Habitats gewährleisten sollten, lief aus dem Ruder. Vermutlich lag es an einer neuronalen Fehlschaltung im biochemischen Steuerorgan der Lebewesen, das aus einer grauen Schwabbelmasse mit einer Unzahl von Schaltkreisen bestand. Die aufwändig konzipierten Zweibeiner funktionierten nicht wie vorgesehen, erwiesen sich als allzu heterogen, unfähig zur Selbstregulation und zu einem einvernehmlich synchronisierten Gruppenverhalten.

Der galaktische Big Boss war not amused.

Bei der nächsten intergalaktischen Konferenz versicherte Erzengel Mischa: «Ich kriege das hin!» Er stellte ein Konzept zur Behebung der Instabilität vor, das er als «ethisch-philosophisch-religiöse Disziplinierung» bezeichnete. Ein von ihm neu entwickeltes Aerosol sollte der Sauerstoffatmosphäre des Planeten beigemischt, von den Zweibeinern mit der Atemluft aufgenommen und verinnerlicht werden. Das Resultat wäre eine biochemische Harmonisierung, die zu einem reibungslos agierenden Kollektiv führen würde. Damit wäre die Stabilisierung des Planeten gewährleistet, der sich in der Folge zu dem schon lange anvisierten kosmischen Perpetuum mobile wandeln könnte. Unverwüstlich, ewig haltbar. Ein Prototyp für weitere Biosphären, die irgendwann den Kosmos bereichern sollten.

Der Big Boss war besänftigt.

Dann geschah das Unglück. Explosion im Labor der Milchstrasse 38! Dazu eine Schwachstelle zwischen den Galaxien, ein Defekt der interstellaren Abschirmung, dessen Reparatur sich verzögert hatte. Vielleicht war der Vorfall auch kein Zufall, sondern Sabotage durch den Leiter von Labor 38, Erzengel Luzi. Dieser war schon öfter durch missgünstiges Verhalten aufgefallen war. Beweisen liess sich die Absicht allerdings nicht.

Wie auch immer: Partikel aus der Explosion verunreinigten Mischas neues Sprühgerät mit dem Wunderspray. Die als Krone der galaktischen Medizin angepriesene Substanz mit Namen «Corona» mutierte zu einem unkontrollierbaren Virus, der die Zweibeiner schwächte und weiter destabilisierte, manche gar zum Absterben brachte.

Mischas Karriere als Laborchef erlitt einen empfindlichen Knick. Luzi lachte sich heimlich ins Fäustchen. Der Big Boss war weniger amused denn je. Und die Perfektionierung der nachhaltigen Biosphäre musste neu angegangen werden.

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